Version 2.0 · generisch, werkzeugneutral

Adaptive AI-SDLC 2.0

Prozessstrenge und KI-Autonomie sind keine festen Größen. Sie werden pro Arbeitspaket entlang zweier Achsen eingestellt: wie kritisch das Ergebnis ist und wie weit die KI dabei allein arbeiten darf.

Strenge folgt KritikalitätAutonomie folgt Reife
Achse 1 · K1 bis K3

Kritikalität

Wie groß ist der Schaden bei einem Fehler? Die Idee stammt aus der Automobilnorm ASPICE und ISO 26262 (ASIL-Logik) und ist auf Software übertragen.

Achse 2 · S1 bis S4

Situative KI-Delegation

Wie viel Autonomie bekommt die KI bei dieser Aufgabe? Die Idee stammt aus dem Führungsmodell Situational Leadership, also Führung nach Reifegrad, hier angewendet auf Modelle.

Das Prinzip

Ein Rahmenwerk mit zwei Tiefen statt statischer Strenge für alle

Vorhandene Frameworks sind statisch. Sie skalieren nach Projektkategorie oder Teamgröße und behandeln KI-Review binär. PROSTRUCTIVE dreht die Strenge dynamisch hoch und runter: streng dort, wo es zählt, und schlank dort, wo Strenge nur Reibung wäre.

Guardrails sind der Freischalter, nicht die Bremse. Etablierte Entwicklungsstandards und funktionale Sicherheit stehen KI-Autonomie nicht im Weg. Sie machen sie erst verantwortbar. Delegation ist die Belohnung für bewiesene Reife, nicht der Startpunkt.

Die sieben Grundprinzipien

Die Steuerachsen

Zwei unabhängige Achsen

Kritikalität ist eine Eigenschaft des Ergebnisses. Delegationsreife ist eine Eigenschaft der Aufgabe im Verhältnis zur bewährten KI-Leistung. Beide sind voneinander unabhängig, und nur zwei getrennte Achsen bilden das sauber ab.

Arbeitspaket meint hier die kleinste einzeln eingestufte Einheit, also eine abgeschlossene Aufgabe wie ein Feature, ein Endpunkt oder eine Migration. Jedes Arbeitspaket bekommt genau eine K- und eine S-Stufe.

Achse 1: Kritikalität (K1 bis K3)

Einstufungsregel. Im Zweifel eine Stufe höher. Wer eine K3-Wirkung nicht ausschließen kann, stuft K3 ein. Das ist eine Ein-Minuten-Entscheidung in Phase P0, kein Assessment.

Achse 2: Situative KI-Delegation (S1 bis S4)

Harte Guardrail-Regel. S3 und S4 funktionieren nur mit maschinenlesbaren Leitplanken: Coding-Standards (CLAUDE.md), Contracts, automatisierte Tests, CI-Gates und Secret-Scanning. Ohne Guardrails ist die höchste zulässige Stufe S2.

Das Herzstück

Die interaktive K×S-Matrix

Die Matrix verbindet beide Achsen und legt fest, was ein Arbeitspaket durchlaufen muss. Wähle eine Kritikalität und optional eine Delegationsstufe, um zu sehen, welche Tiefe gilt. Deine Auswahl steuert zugleich den Prozess und den Gate-Bereich weiter unten.

Kritikalität
KI-Delegation
Dimension

Tabelle seitlich scrollbar →

Lesart: Eine K1-Aufgabe bei S4 läuft mit minimaler Zeremonie durch den gesamten Lebenszyklus. Eine K3-Aufgabe bei S2 bekommt die volle Strenge. Beide nutzen dasselbe Rahmenwerk, nur die Tiefe unterscheidet sich.

Der geführte Ablauf

Sieben Phasen, ein Gate pro Phase

Die Phasenfolge ist immer gleich. Die Tiefe jeder Phase richtet sich nach der Kritikalität: bei K2 gilt die unten gezeigte Tiefe. Bei K1 schrumpfen mehrere Phasen auf Minuten, bei K3 werden alle voll durchlaufen. Klicke eine Phase an.

Gate meint einen Prüfpunkt am Ende jeder Phase. Erst wenn seine Checkliste erfüllt ist, geht es in die nächste Phase.

Reviews & Gates

Adaptive Gate-Tiefe, live nach Kritikalität

Jede Phase endet an einem Gate, und die Tiefe des Gates skaliert mit K. Der Gate-Explorer zeigt die konkrete Checkliste für die oben gewählte Kritikalität (K2). Es ist dieselbe Liste, die in den Pull Request gezogen wird. Die Haken lassen sich zum Durchspielen setzen.

Gate-Checkliste

0 / 0

    Review-Tiefe

    Die Prüfinstanz eskaliert mit der Kritikalität.

    Traceability-Spine

    Traceability heißt: Jede Codezeile lässt sich lückenlos bis zur ursprünglichen Anforderung zurückverfolgen. Die sichtbare Tiefe der Kette skaliert mit K und ist in beide Richtungen navigierbar.

    ↑ jederzeit in beide Richtungen navigierbar ↓

    Review-Katalog: wonach geprüft wird

    Die Matrix legt fest, wer prüft und wie tief. Der Katalog legt fest, wonach gesucht wird. Fünf Kriterien, Tiefe nach der oben gewählten Kritikalität (K2).

    KriteriumLeitfrageTiefe bei K2

    Harte Regel. Eine KI-Zusammenfassung ersetzt nie das Lesen des Diffs durch den Reviewer. Und im Loop gilt immer: erst den Diff prüfen, dann testen.

    Der operative Kern: 9-Status-Fluss (P4)

    Ab In Review setzt ausschließlich der Reviewer den Status. Kein Self-Merge, unabhängig von der Delegationsstufe.

    Der Beweis

    Schlank und streng zugleich: zwei Pfade

    Dasselbe Rahmenwerk, zwei Kritikalitäten. Pfad A wird nicht mit der Strenge von Pfad B belastet. Pfad B wird nicht mit der Leichtigkeit von Pfad A gefährdet.

    Auf einer Seite

    Kurzreferenz

    PROSTRUCTIVE Adaptive AI-SDLC 2.0

    Zwei Achsen
    K1 bis K3 (Schaden bei Fehler). S1 bis S4 (KI-Autonomie).
    Regel
    Strenge folgt Kritikalität. Autonomie folgt bewiesener Reife.
    Einstufung
    In P0, eine Minute, im Zweifel höher.
    Guardrails
    Ohne maschinenlesbare Leitplanken maximal S2.
    Phasen
    P0 Intent · P1 Architektur & Delegation · P2 Spec · P3 Infra & Guardrails · P4 Umsetzung · P5 Integration & Freigabe · P6 Betrieb & Lernen.
    Gates
    Eines pro Phase. Tiefe nach K.
    Traceability
    Intent → REQ → SPEC → Contract → Code → Test → Outcome, bidirektional, Tiefe nach K.
    Operativer Kern
    9-Status-Fluss, Reviewer-Zwang, kein Self-Merge, 2-Tage-Regel.
    Reifung
    Bewährt sich ein Arbeitstyp wiederholt, steigt seine Delegationsstufe.

    Alle Fachbegriffe erklärt das Glossar.